Berufliche-Schule-Paula-Fuerst_Wer-war-Paula-Fuerst_Paula-Fuerst-im-Garten-in-Berlin-1938-1939 Allgemein

Biografie einer deutschen Reformpädagogin

Berufliche-Schule-Paula-Fuerst_Wer-war-Paula-Fuerst_Paula-Fuerst-mit-Klasse-der-Montessori-Schule-in-Berlin-Wilmersdorf-1926Paula Fürst ist am 6. August 1894 in Glogau geboren. 1906 übersiedelte die Familie nach Berlin.

1914 legte sie das Lehrerexamen im Victoria Luise-Oberlyzeum ab. Danach studierte sie Französisch und Geschichte an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität. Während ihres Studiums gab es erste Berührungspunkte mit der Montessori-Pädagogik. Das Studium gab Paula Fürst auf und widmete sich nun vollständig der Montessori-Pädagogik. Durch Studien in Berlin und Rom erwarb sie ein Montessori-Diplom, das sie zur Führung von Montessori-Heimen und -Schulen berechtigte. 1926 leitete sie die erste Montessori-Klasse Berlins an der 9. Volksschule in Berlin-Wilmersdorf.

1933 wurde die Montessori-Pädagogik aufgrund der Unvereinbarkeit mit der nationalsozialistischen Ideologie verboten. Somit musste Paula Fürst ihre Stellung als Lehrerin aufgeben. Von 1933 bis 1938 leitete sie die Theodor-Herzl-Schule, eine zionistisch ausgerichtete Privatschule. Viele Schüler erinnerten sich später mit warmherzigen Worten an ihre Schulleiterin.

Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden alle jüdischen Privatschulen verboten. Paula Fürst übernahm die Leitung der Schulabteilung der „Reichsvereinigung“. In dieser Stellung unterstanden ihr sämtliche jüdischen Schulen in Deutschland. Ihr gelang es bis zum Herbst 1939, das jüdische Schulwesen neu zu strukturieren und eine kontinuierliche schulische Ausbildung  jüdischer Schüler zu gewährleisten.

Im August 1939 begleitete Fürst einen Kindertransport nach London. Sie lehnte jede Möglichkeit, Nazi-Deutschland zu verlassen, mit der Begründung ab, dass das Leben seinen Sinn verlieren würde, ließe sie die ihr anvertrauten Menschen im Stich.

Am 19. Juni 1942 hatte die Gestapo das Gebäude der Reichsvereinigung umstellt und wählte etwa 50 Mitarbeiter für die Deportation aus, darunter auch Paula Fürst. Fünf Tage später, am 24. Juni 1942, wurde sie im 16. Osttransport nach Minsk deportiert.

Höchstwahrscheinlich wurde sie dort oder später in einem Vernichtungslager in Osteuropa ermordet.

Frau Bauer
Lehrerin für Poloitische Bildung

Quelle: Martin-Heinz Ehlert: Paula Fürst (1894 – 1942), Berlin 2002

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