Der Montessori-Kurs: Eine absolute Bereicherung für jeden Erzieher

Berufliche Schule FAW gGmbH_Montessori-Kurs in der Erzieherausbildung_Erfahrungsbericht_Juli 2017_Die Autorin_3Das zwei­te Lehr­jahr begann und eine Ent­schei­dung muss­te her. Im Bereich Wahl­pflicht stan­den zur Aus­wahl: Montesso­ri-Päd­ago­gik und Erlebnispädagogik.
Die Wahl fiel mir sehr leicht. Montesso­ri soll­te es sein. Da tanzt man doch sei­nen Namen — oder? Ach nein, sorry…das war Wal­dorf. Montesso­ri – ach ja, da machen die Kin­der den gan­zen Tag was sie wol­len und mit wem sie wol­len. Gut – dar­über muss­te ich auf jeden Fall mehr erfahren.

Von Anbe­ginn der Aus­bil­dung war ich mir sicher, dass es mich am Ende in den Kin­der­gar­ten ver­schlägt. Auch wenn es sicher kein Montesso­ri-Kin­der­haus wird, aber ich dach­te mir, dass ich Tei­le der Montesso­ri-Päd­ago­gik sicher in mei­nen All­tag inte­grie­ren kann. Ich ging sehr ent­spannt an die Sache ran, denn ich hat­te wirk­lich kei­ne kon­kre­te Vor­stel­lung von der Arbeit Maria Montessoris.

Da der Kurs aus den Erzie­her­klas­sen 14/1 und 14/2 bestand, galt es erst ein­mal uns anzu­nä­hern und bes­ser ken­nen­zu­ler­nen. Im Rah­men eines Koch­du­ells hat das bes­tens funk­tio­niert. Wäh­rend­des­sen lasen wir ande­ren uns in die Mate­rie ein, began­nen mit der Raum­ge­stal­tung und lern­ten die ers­ten Mate­ria­li­en ken­nen. Selbst­be­stim­mung und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­tes Han­deln stan­den auf der Tagesordnung.

Nach den ers­ten Mona­ten über­nahm Ingrid Gess­lein, Dozen­tin von MONTESSO­RI­heu­te und Grün­dungs­mit­glied ver­schie­de­ner Montesso­ri-Ver­ei­ne und -Schu­len, das Ruder. Mit vie­len Mate­ria­li­en und Unter­la­gen gab sie ihr über Jahr­zehn­te gesam­mel­tes Wis­sen an uns wei­ter. Theo­rie und Pra­xis wech­sel­ten sich ab.

Berufliche Schule FAW gGmbH_Montessori-Kurs in der Erzieherausbildung_Erfahrungsbericht_Juli 2017_Raumgestaltung_7Den Start mach­ten die Sin­nes­ma­te­ria­li­en. Ingrid stell­te uns die Mate­ria­li­en vor und wir ahm­ten nach und kre­ierten eige­ne Mate­ria­li­en. Auch bei den Übun­gen des täg­li­chen Lebens gab es ein Wech­sel­spiel zwi­schen Vor­ga­ben und eige­ner Krea­ti­vi­tät. Wir frag­ten sehr viel und so muss­ten nicht nur wir uns in Geduld üben, wenn Ingrid erklär­te, auch Ingrid muss­te sehr gedul­dig mit uns sein. Erwach­se­ne hin­ter­fra­gen ein­fach anders als Kin­der – und für uns muss­te ein­fach immer alles einen Sinn ergeben. 

Berufliche Schule FAW gGmbH_Montessori-Kurs in der Erzieherausbildung_Erfahrungsbericht_Juli 2017_Material MathematikDas ers­te Jahr war nun um. Im zwei­ten Jahr star­te­ten wir mit der Mathe­ma­tik und spä­tes­tens hier hat­te mich Ingrid, oder bes­ser gesagt Montesso­ri, gefesselt. 
Die­se tol­len Mate­ria­li­en, alles anzu­fas­sen, aus­zu­pro­bie­ren und selbst als Erwach­se­ne die­sen AHA-Effekt zu erle­ben war ein­fach toll. Vie­le Ide­en habe ich mit nach Hau­se genom­men und mit mei­nen Kin­dern aus­pro­biert. Auch die Deutsch-Mate­ria­li­en waren umfang­reich. Trotz allem blieb Zeit für die Her­stel­lung eige­ner Mate­ria­li­en und somit die Umset­zung von eige­nen Ide­en, zeit­ge­mäß und auf den per­sön­li­chen Bedarf zugeschnitten.

In der Zwi­schen­zeit absol­vier­ten wir unser drit­tes Prak­ti­kum. Ich hat­te mich für eine Ganz­tags­schu­le ent­schie­den, die im Ansatz nach Montesso­ri arbei­tet. Lei­der gab es nicht ganz so vie­le Mate­ria­li­en, wie ich es mir erhofft hat­te, aber ange­fan­gen vom Mor­gen­kreis über die freie Wahl des Part­ners, des Arbeits­plat­zes, der Arbeit selbst und vie­lem mehr, begeis­ter­te mich die Schu­le und ich konn­te im Montesso­ri-Kurs Erlern­tes schon direkt anwen­den. Ich stell­te den Kin­dern eigen­stän­dig Mathe­ma­tik-Mate­ria­li­en vor und nutz­te den Mor­gen­kreis für Gesprä­che. Nun fan­ge ich dort an zu arbeiten. 
Ohne den Montesso­ri-Kurs hät­te ich die­se Schu­le nicht ansatz­wei­se in Betracht gezogen.

Soll­te ich trotz aller Begeis­te­rung doch irgend­wann in eine Kita wech­seln, wer­de ich vie­les aus dem Kurs in mei­ne per­sön­li­che Arbeit inte­grie­ren.                                                            Der Kurs war eine abso­lu­te Berei­che­rung für mich, was auch nicht unwe­sent­lich mit den bei­den Leh­re­rin­nen und ihrem Enga­ge­ment für die­se Sache zu tun hat.

Berufliche Schule FAW gGmbH_Montessori-Kurs in der Erzieherausbildung_Erfahrungsbericht_Juli 2017_Bewegung_2Ich dan­ke Ingrid Gess­lein für die Ver­an­schau­li­chung und inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit den Wer­ten von Maria Montesso­ri und ich dan­ke Manue­la Dre­was für die zeit­ge­mä­ße Über­set­zung und Locker­heit, die Din­ge auch aus einem ande­ren Blick­win­kel zu betrachten.

Etwas trau­rig stimmt mich die schlep­pen­de Raum­ge­stal­tung. Wir hat­ten uns erhofft, dass der Raum fer­tig ist, wenn wir uns ver­ab­schie­den. Nun liegt es an den nächs­ten Kur­sen, dem Raum wei­ter Leben ein­zu­hau­chen und dafür wün­sche ich allen Zukünf­ti­gen eine Men­ge Spaß und vie­le tol­le Ide­en zur Umsetzung.

Anke God­glück
Schü­le­rin der Erzie­her­klas­se ERZ14/1